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Tessin: Der Herbst endet nicht im November

  • In der italienischen Schweiz ist der Herbst noch längst nicht vorbei – im Gegenteil: hier lässt sich die Sonne noch wunderbar draußen genießen!
Tessin. Luxusreisen

Rund um den Lago Maggiore hält das schöne Wetter bis in den Winter hinein an. Die Sonne scheint, die frische Brise zerzaust einem die Haare und überall in den Wäldern findet man noch die stacheligen Kastanien. Draußen lässt es sich noch gut aushalten, der Herbst ist noch nicht vorbei, im Gegenteil! Unsere Top-Seven-Insider-Tipps verraten, wie der Kurz-Trip ins Tessin zum perfekten Erlebnis wird.

Digital-Detox-Tourismus im Aussteiger-Tal

Größer könnte der Gegensatz nicht sein: Eben noch saß man beim Frühstück im 1915 eröffneten Café Ravelli in Locarna, das die schweizerische Denkmalschutzorganisation mit dem heute merkwürdig klingenden Namen „Heimatschutz“ zu den schönsten Tee-Salons der Schweiz zählt, und lauschte den Gesprächen der Stammgäste am Nebentisch, die von ruinösen Casino-Abenden handelten, von Blankochecks und Immobiliendeals oder von einem Rolls-Royce-Fahrer, der zwei Flaschen Dom Pérignon bestellte, eine allein kippte und mit der anderen die Scheibenputzanlage seines Autos auffüllte. Eine halbe Autostunde und zehn Gehminuten später erntet man mit Mike Keller, dem „Padrone des Onsernone-Tals, in den steilen Bergwäldern des wildesten Tals der Schweiz prächtige Steinpilze.

Keller ist erst 37 Jahre alt, hat aber wahrscheinlich schon mehr von der Welt gesehen, als die meisten anderen Menschen in seinem Alter. Geboren wurde er in Locarno, aufgewachsen ist er hier, im wildesten Tal der Schweiz, bis er mit sieben Jahren in die USA zog, dem Herkunftsland seiner Mutter. Dank eines Stipendiums besuchte er die Fakultät für internationale Beziehungen der Georgetown University, ein Institut, an dem auch Bill Clinton studierte. Eine Präsidentenschule, sozusagen. Danach war er für eine Vereinigung tätig, die sich in Entwicklungsländern engagierte. Auf diese Weise gelangte er in den Senegal, wo er zwei Jahre blieb. Anschließend kam er zum Roten Kreuz: Von Genf aus wurde er für ein Jahr in den Tschad geschickt, anschließend in den Mittlerer Osten, 2010 nach Afghanistan.

2016 kehrte Keller ins wilde Onsernone-Tal, das als Hawaii der Schweiz gilt, zurück und war bestürzt, halb leere Dörfer, geschlossene Schulhäuser und eine alternde Bevölkerung vorzufinden, die von einem Höchststand von 4.000 im 19. Jahrhundert auf 700 geschrumpft war. Deshalb zögerte er keine Sekunde, als sich die Chance ergab, in dem kleinen Straßendorf Auressio die Villa Edera, ein marodes, gefängnisähnliches Schullandheim, zu pachten.  Heute präsentiert sich die Prachtvilla samt parkähnlichem Garten als schickes Hostel mit einem Kühlschrank voller lokalem Craft Beer, einem hellgelben Gemeinschaftsbereich mit Antiquitäten aus dem Wertstoffhof und dient als Firmensitz in Sachen nachhaltiger Tourismus. So sollen im Frühjahr 2021 mehrere Ferienwohnungen. Almen und ein Digital-Detox-Hostel in einem Seitental buchbar sein, in dem Gäste ihre Smartphones an der Tür abgeben. Die raue Stille des Onsernone-Tals habe bereits in den 1930er Jahren Künstler und Schriftsteller wie Max Ernst und Kurt Tucholsky magnetisch angezogen, sagt Keller. „Später zog es eine Welle schweizerisch-deutscher Aussteiger an – naturliebende Hippie-Aussteiger, die hier versuchten, in totaler Autarkie zu leben. Und genau da will auch ich als Touristik-Unternehmer wieder hin: zurück zu den Wurzeln.“ Zum Abschied zückt Keller sein Smartphone und öffnet eine Videodatei.

Onsernonetal. Tessin. Luxusreisen

Zurück zu den Wurzeln des Tals: Mike Keller plant ein Digital-Detox-Hotel.

„Ein Freund hat das letztes Jahr mit einer Drohne gedreht, aber ich habe es immer noch nicht in den sozialen Medien gepostet”, sagt er. Man sieht ihn, alleine, im tiefen, kristallklaren Fluss am Grund der Schlucht schwimmend. Dann zoomt die Drohne heraus und zeigt dramatische Felslandschaften, die sich über dieser märchenhaften Gumpe auftürmen. Ein Weg ist nicht zu erkennen. Den verrät Keller nur seinen Stammgästen.

La Rinascente: Hotel-Oase in der Altstadt Locarnos

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Der Name des Hauses könnte treffender nicht sein: „Die Wiedergeborene“. Das 1550 erbaute Gebäude in der Altstadt von Locarno stand lange leer und ist vor Kurzem ebenso aufwendig wie sorgfältig renoviert worden. Es besitzt nun 15 moderne Hotelzimmer und eine Suite für vier Personen. Geführt wird das Boutique-Hotel von Isabel Hüttenmoser und ihrem Mann Mario, der für das angeschlossene, gleichnamige Restaurant mit dem schönen Innenhof 14 Punkte im GaultMillau erkochte. Und in der Tat: Marios „Menu della rassegna“, das er anlässlich des kulinarischen Events „Gastronomischer Herbst am Lago Maggiore und in den Tälern“ auf den Tisch zauberte, erwies sich – nicht zuletzt auch dank der kompetenten Empfehlungen der Sommelière Jessica Todaro – als mehr als überzeugend. Besonders gefiel das Carpaccio vom marinierten Hirsch mit sautierten Wilderbsen, Pilzen und Sesam. Ausgezeichnet schmeckten auch das Acquerello Risotto mit Randen (Rote Bete) und Tessiner Blauschimmelkäse. Richtig ins Schwärmen brachten einen die Rehmedaillons in Merlot-Sauce an Herbstbeilagen und das Dessert „Komposition von Schokolade, Birnen und Williams Sorbet“.

Bordei im Centovalli: Tomahawk-Steak im Adlernest

Bordei, idyllisch gelegen im hintersten Centovalli, bestand einst fast nur noch aus Ruinen. Heute ist es eines der schönsten Dörfer der Schweiz. Dazwischen liegen eine Vision und mehr als 40 Jahre harte Arbeit. Hunderte von Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen haben im Schatten des Monte Gridone die Häuser und ihr Leben wiederaufgebaut. Nicht nur in die Wohnhäuser ist Leben zurückgekehrt, das Dorf hat auch wieder ein Zentrum erhalten. Denn die Stiftung Terra Vecchia hat auch die alte Osteria renoviert – mit schier unglaublicher Liebe zum Detail. Der alte, riesige Kamin, die wuchtigen Deckenbalken, die langen Holztische und die wunderschönen Theken aus Holz sorgen in den beiden Gaststuben genauso für wohlige Geborgenheit wie die sorgfältig restaurierten Möbel in den Zimmern. Wer dort nächtigt, hört vor dem Einschlafen nichts als den Bach rauschen und blickt am Morgen nach dem Aufwachen vom Bett aus auf den mächtigen Monte Gridone, von dessen Gipfel aus man an klaren Herbsttagen weit in die Alpen, über den Lago Maggiore und bis nach Mailand sieht.

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Neuer Chefkoch der Osteria ist der ehemalige Fernseh- und Radio-Journalist Stefan Tabacznik, der unter anderem die Tagesschau des SRF moderierte. Nach seiner Pensionierung 2013 bildete sich Tabacznik zum Koch aus. Er machte den Lehrabschluss als Koch und diverse Diplome (diplomierter Rôtisseur und Saucier, diplomierter Pâtissier, diplomierter Gardemanger, diplomierter Entremetier u. a.). Er ist Präsidiumsmitglied im Internationalen Club der Diplom-Fleischsommeliers und geprüfter Grilltrainer. Gleichzeitig absolvierte er Praktika bei verschiedenen Schweizer Sterneköchen mit GaultMillau Punkten zwischen 17 und 19. In der Osteria Bordei kocht er erst seit einem Jahr, doch dies tut er so gut, dass es sich bereits in der halben Schweiz herumgesprochen hat und immer mehr Leute anreisen, um dessen traditionellen Tessiner Gerichte zu genießen. Dass unter den Gästen auch immer mehr Tessiner sind, ist für die Betreiber besonders erfreulich. Die meisten Produkte, die Tabacznik verwendet, produziert der ebenfalls ausgegliederte Landwirtschaftsbetrieb im Dorf – vom Fleisch über das Gemüse bis zum Honig auf dem Frühstückstisch. Für uns bereitete er ein 950 Gramm schweres Tomahawk-Steak auf dem Weber-Grill zu – ein kulinarisches Highlight, das mit stolzen 170 Franken auf der kleinen, aber feinen Karte steht.

Alles Merlot: Weinprobe in der Kellerei Vini Delea

Der Weinbau im Tessin hat eine lange Geschichte; schon die Römer bauten hier Trauben an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es jedoch zu einer Katastrophe: Reblaus und Mehltau vernichteten beinahe alle Weinstöcke der Region. Um neu durchzustarten, engagierte man den italienischen Agronomen und Pharmakologen Alderige Fantuzzi, der ganz auf die Sorte Merlot setzte. 1904 trafen die ersten aus Bordeaux importierten Merlotstöcke im Tessin ein. Und Fantuzzi sollte Recht behalten! Heute wird im Tessin fast ausschließlich Merlot angebaut. Der größte Teil der Produktion entfällt auf ausgezeichnete, lagerfähige Weine, die oft in kleinen Eichenfässern (den so genannten Barriques) ausgebaut werden. Aus Merlot werden aber auch ausgezeichnete Roséweine gekeltert, außerdem gibt es als Spezialität den Bianco di Merlot, der sich wachsender Beliebtheit erfreut.

„Dank seiner Struktur passt der Merlot ideal zu Minestrone, gegrilltem Fleisch, Hauptgängen ganz allgemein und gut gelagertem, aber nicht allzu würzigem Käse“, sagt Angelo Delea, während wir mit dem Lastenaufzug in den acht Meter tiefer gelegenen Keller seiner Vini & Distillati hinab schweben. Mehr als 25 Millionen Franken investierte Delea in dieses Schmuckstück von Weinkeller, der neben einem informativen Weinmuseum und ultramodernen Anlagen mit einem riesigen offenen Kamin glänzt. In dessen Feuerschein lassen sich wunderbar hochwertige und vielfach preisgekrönte Weine probieren. Delea ist einer der Protagonisten der neuen Weinmachergeneration im Tessin: Seine Rotweine sind von deutlich bordeauxorientiertem Zuschnitt und bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch andere, in 400-Liter-Fässern gereifte Sorten, wie der Carato (16 Monate im Fass) und der Carato Riserva (24 Monate im Fass) werden angeboten. Seit 1996 stellt Angelo Delea auch Balsamico-Essig (aceto balsamico) her. Die Herstellungsart ist die gleiche wie in Modena, der unbestrittenen Heimatstadt dieses Produkts. Bei Delea werden Americano-Trauben verwendet, deren Most bei den ersten Anzeichen einer Fermentierung gekocht wird. Nach einem Reifungsprozess von einem Jahr erhält man „il Giovane“ (der Junge), nach 6 Jahren, „il Vecchio“ (der Alte). Am Salat schon fast eine Sünde! Aus der gleichen Traubensorte der Uva Americana, einer alten Hybridsorte mit auffallend intensivem, erdbeerähnlichem Geschmack brennt man bei Delea zudem einen typischen Tessiner Grappa.

Viva Grotto: Wo das Essen authentisch ist

In einem „echten“ Tessiner Grotto kommt auf den Tisch, was die Vorratskammer hergibt: Wurstspezialitäten, Käse, eventuell Polenta, Minestrone und sonntags vielleicht Kaninchen. Ursprünglich, einfach, gut. Grotto stammt vom italienischen Begriff Grotta ab, der übersetzt Felshöhle bedeutet. In diesen Höhlen wurden früher Wein und Lebensmittel gelagert, sie waren quasi die Kühlschränke der Bevölkerung. Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann die ersten Ausschanklizenzen für Grotti vergeben.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Grotto America in Tegna Treffpunkt für Tessiner Auswanderer, die sich nach Kalifornien aufmachten. Auf ihrem Weg zum Hafen nach Genua machten viele hier Halt, weshalb das Grotto auch seinen Namen erhielt. Auch heute noch ist das rund 400 Jahre alte Lokal, mitten im Grün gelegen, ein beliebter Treffpunkt in der Region. Es hat eine große Außenterrasse mit einem schönen Blick auf den reißenden Gebirgsfluss Maggia und einen gemütlichen kleinen Gastraum mit Kamin, der für alle Arten von Abendessen, Konferenzen, Geburtstage und Hochzeitsfeiern geeignet ist.

Der umtriebige Mittdreißiger Davide Buvoli übernahm das Grotto im Jahr 2012. Seitdem stehen Produkte von lokalen Produzenten bei den traditionellen, kreativen Gerichten im Fokus. Im hauseigenen Keller reifen zudem Tessiner Weine, lokale Wurstsorten und Käse von der Alm. Kultur spielt im Grotto America also eine wichtige Rolle – und das nicht nur auf dem Teller. Im Sommer bietet man im Rahmen des Programms „L’Angolo Degli Artisti“ Tessiner, Schweizer und sogar internationalen Künstlern eine Bühne und Raum für Ausstellungen. Ein zauberhafter Ort, der nicht nur Genießer, sondern auch Kulturinteressierte inspiriert.

Ganz wunderbar sitzt, isst und trinkt man auch im benachbarten Edel-Grotto Da Enzo. An warmen Tagen lässt es sich da draußen in einem Naturparadies tafeln. Der hängende Garten mit seiner üppigen Pflanzenwelt ist steil in eine aufragende Felswand geschnitten. Die Granittische mit ihren eleganten Stoffsets werden von mächtigen Lindenbäumen beschattet. Lässt die Witterung das Draußensitzen nicht zu, zieht man ins sorgfältig restaurierte Innere, in den lichten Wintergarten oder in die rustikalere Tessiner Saletta um.

Tessin. Luxusreisen

Feine und besonders authentisch: das edle Menü im Edel-Grotto da Enzo 

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Das Ristorante wurde 1992 von dem gebürtigen Südtiroler Enzo Andreatta und seiner aus dem Kanton Obwalden stammenden Frau Josi eröffnet und wird noch heute von Ihnen geführt – zusammen mit Ihrem Sohn Sergio. Zum stilsicheren Ambiente gehört natürlich das passende Essen von Küchenchef Andrea Cingari, der sich 16 GaultMillau Punkte erkocht hat. Wobei alleine dessen grandiose Saucen, an denen er drei, vier Tage arbeitet, schon die Anreise wert sind. Wir bestellten das Menu Selvaggina, das Vier-Gänge-Wild-Menü, und waren mehr als begeistert: Als Starter servierte Cingari ein Duett vom Reh in Tataki-Stil mit süßsauren Zwiebeln und Steinpilzen sowie Burrata-Käse, gefolgt von herrlichen Kartoffelgnocchi mit Castelmagno-Käse und schwarzer Trüffel. Als Hauptgang glänzte ein Hirschrücken mit herbstlichen Beilagen und Spätzle, den man getrost als Da-Enzo-Klassiker bezeichnen darf, nicht zuletzt weil er Cingaris hohen Anspruch beim Einkauf lokaler Produkte zeigt. Zum süßen Abschluss wurde eine wahrhaft deliziöse Kastanienmousse mit Meringue (Schaumgebäck aus gezuckertem Eischnee) und Americana-Trauben-Sorbet gereicht. Besonders gut aufgehoben bei ihm sind übrigens auch vegetarische Gäste. Mit einer italienisch inspirierten Küche verfüge er da über eine breitere Partitur, versicherte er.

Direkt am See: Osteria Boato in Brissago

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Keiner kennt den Lago Maggiore so gut wie Alessandro Boato, Berufsfischer aus Brissago. Mit seinen 77 Jahren fährt er noch immer regelmäßig und bei jedem Wetter raus auf den See und wirft die Netze aus. „Der Lago Maggiore hat fast Trinkwasserqualität und an guten Tagen fange ich prächtige Forellen, Saiblinge, Felchen, Zander und Hechte“, sagt Boato. Fische, die allesamt in der Küche der Osteria Boato in Brissago landen, die von seiner Tochter Corinna geführt wird und in traumhaft schöner Lage an der Uferpromenade des Bilderbuchdorfes Brissago liegt. An Sonnentagen reicht die Sicht über den See von der Kantonshauptstadt Bellinzona bis Verbania.

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In der Küche geht man nicht nur äußerst kompetent mit den nach einem alten Familienrezept marinierten Raubfischen aus dem Lago Maggiore um, sondern bereitet auch edle Meeresfische perfekt auf dem Grill zu. Eine besondere Spezialität der Osteria mit der Terrasse direkt am Ufer ist die Zubereitung in der Salzkruste. Als Hauptgang wählten wir das Felchenfilet mit Pilzen und einem Püree von der Vitelotte, einer lilafarbenen Kartoffel, das überaus zart und delikat mundete. Dass es in der Osteria Boata nicht immer nur Fisch sein muss, bewiesen die Wildschweinbäckchen mit hausgemachten Tagliatelle und Pilzen – besser kann der Herbst im Tessin nicht schmecken.

Mit dem Mountainbike durch das Valle Verzasca

Im oberen Verzascatal zeigt sich das Tessin von seiner schönsten alpinen Seite. Am besten erkundet man diese abgelegene Region per Mountainbike oder e-MTB. Eine auch für Anfänger gut geeignete Tour startet im pittoresken Dörfchen Brione mit seinen historischen Steinhäusern. Von Locarno aus gelangt man Idealerweise mit dem Postbus, der einen Heckträger für Fahrräder besitzt, dorthin. Auf diese Weise kann die Tour mit der Abfahrt durch das gesamte Tal zurück nach Locarno verlängert werden. Mit einer Höhendifferenz von 240 Metern auf einer Strecke von neun Kilometern geht es von Brione aus insgesamt zwar aufwärts, doch man merkt es kaum, da es immer wieder auf und ab geht.

Der Fluss Verzasca ist gespickt mit unterschiedlich tiefen Flussbecken, so genannten Pozzi, die je nach Beschaffenheit zum Schwimmen oder Planschen einladen – an einigen Stellen ermöglichen sie sogar wagemutige Sprünge von den Felsen. Erfrischend ist das Eintauchen in das klare Bergwasser allemal, aber Vorsicht ist jederzeit geboten: Flüsse sind immer unberechenbar und können bei einsetzendem Gewitter ungemeine Naturgewalten freisetzen. Auch die Strömungen sind nicht zu unterschätzen.

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Die Kommunalpolitiker sind übrigens stolz darauf, dass kein großes Hotel den ursprünglichen Charakter der Dörfer im Tal beeinträchtigt. Doch es mangelt an Herbergen. Ein zentrales Tourismus-Projekt ist deshalb Corippo, wo sich 70 ineinander verschachtelte Granitsteinhäuschen an einen Steilhang klammern. Nur zwölf Einwohner leben noch dort. Die Fondazione Corippo 1975 erwarb einige Häuser und begann, sie zu renovieren, um mit ihnen ein „Albergo diffuso“, ein Hotel mit mehreren, verstreut liegenden Gebäuden zu realisieren. „Wir wollen die bestehenden Materialien verbauen“, sagt der Präsident der Stiftung, Fabio Giacomazzi. Der Architekt hat die Pläne für das Hotel entwickelt, das 2021 eröffnen soll. „Authentizität ist das Ziel. Wir werden auch die alte Mühle, den Brotbackofen und das Kastanien-Rösthäuschen integrieren, damit sich Gäste ein Bild vom früheren Leben der Menschen machen können.“

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