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Korallen-Kindergarten und Öko-Siegel: nachhaltiger Urlaub auf den Malediven

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Korallen-Kindergarten und Öko-Siegel: nachhaltiger Urlaub auf den Malediven

  • In „grünen“ Resorts auf den Malediven können sich Gäste aktiv am Natur- und Umweltschutz beteiligen. Zum Beispiel in einem Kindergarten für Korallenbabys
Malediven nachhaltig. Luxusreisen

Wie einen riesigen Aquamarin lässt die Tropensonne die Lagune vor Lankanfushi auf den Malediven funkeln. Ihr türkis schimmerndes Wasser ist so klar wie ein Kristall. Selbst vom Strand aus sieht man die bunten Fische, die sich im Schatten eines Dhoni (die hölzernen Boote der Malediver) tummeln. Der Sand unter den Füßen ist fein wie Pulverschnee und so blendend weiß, dass er die grünen Palmenwedel noch grüner scheinen lässt und den strahlend blauen Himmel noch viel blauer.

Der Strand von Gili Lankanfushi ist nur 20 Bootsminuten von der maledivischen Hauptstadt und ihrem Flughafen entfernt. Vor ihm liegt der Indische Ozean, dahinter das Fünf-Sterne-Öko-Eiland, das zu den besten des Landes gehört und auch in internationalen Rankings immer wieder vordere Plätze belegt.

„Alles okay mit Ihrer Villa?“, fragt Nicolas Khairallah. Wie alle auf der Mini-Insel ist der 32-jährige Hotelmanager barfuß und mit einem Bambusfahrrad unterwegs. „Okay“ ist gut. Denn jedes Haus, das man als Gast mit seinem Partner oder ganz für sich allein genießt, ist ein zweistöckiger Holzpalast. Wie 44 andere steht er im Wasser und ist per Brücke oder schwimmend zu erreichen.

Wie die komplette Anlage wurden auch die extravaganten Unterkünfte auf den Malediven streng nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet. Die privaten Butler, die zu jedem Haus gehören (alle heißen Mr. Friday), haben sicher wenig Arbeit. Denn wer ist hier als Gast nicht wunschlos glücklich?

„Wir tun alles, um die Umwelteinflüsse des Hotels so gering wie möglich zu halten“, erklärt Nicolas. International anerkannte Öko-Gütesiegel wie das von EarthCheck untermauern das.

Malediven nachhaltig. Luxusreisen
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Die Malediven – ein Paradies?

So genießt man seinen Smoothie und die Aussicht und lässt seine Seele weiter baumeln. Keine Frage, es ist nicht nur traumhaft schön, sondern ebenso ein idealer Ort zum Träumen. Doch Emma Bell holt den versunkenen Romantiker in die Wirklichkeit zurück. Mit Schnorchelausrüstung und einem Stoffsack in den Händen kommt ihm die junge Meeresbiologin auf dem Landungssteg entgegen. Sie erinnert ihn daran, dass kein Paradies nur paradiesisch ist, auch dieses nicht.

Der Beutel, den Emma von ihrer Inspektion im Hausriff mitgebracht hat, ist noch triefend nass. Als sie ihn umdreht, purzelt ein halbes Dutzend rötlich-violetter Nadelkissen heraus. „Das sind Dornenkronen-Seesterne – hübsch, aber heikel, denn ihre Leibspeise sind Steinkorallen“, erklärt die 23-jährige Britin. Die Stachelhäuter, deren Stacheln auch der Mensch besser nicht zu nahe kommen sollte, richten in den Riffen großen Schaden an.

Täglich holt Meeresbiologin Emma Bell mit ihrem Team die Seesterne aus dem Meer, die in den Riffen großen Schaden anrichten. © Foto: Carsten Heinke

Klimawandel killt die Riffe

„Bis zu sechs Quadratmeter Korallen kann so ein Tier binnen eines Jahres verputzen“, weiß Emma. Immer häufiger komme es zu massenhaften Vermehrungen. Gründe dafür seien das Verschwinden natürlicher Feinde durch Überfischung, vermutlich aber auch ins Meer gelangte Düngemittel. „Die sorgen für mehr Grünalgen – Nahrung für die Seestern-Larven“, so die Wissenschaftlerin. Um Plagen vorzubeugen, gehen sie und ihr Team täglich auf Patrouille.

Doch selbst wenn ganze Riffe kahlgefressen werden: Gründe für das Korallensterben gibt es viele. Die explosionsartige „Algenblüte“ selbst entzieht den Meerestieren lebenswichtige Grundlagen und vergiftet sie. Auch jährlich 6.000 Tonnen Sonnenschutzmittel schaden den Riffen enorm. Emma empfiehlt deshalb Naturkosmetik mit mineralischen UV-Filtern, frei von Mikroplastik. „Am konsequentesten wäre es, komplett ohne Sonnencremes ins Wasser zu gehen und stattdessen lange Kleidung zu tragen“, meint die Umweltaktivistin.

Der unbestritten größte Verlust an Korallen geht jedoch auf das Konto der so genannten Bleichen. Bereits um die Jahrtausendwende war etwa die Hälfte aller Riffe davon betroffen. Vor allem durch den letzten El Niño, die ungewöhnlichen Meeresströmungen, die in unregelmäßigen Abständen im Pazifik auftreten, wurden über zwei Drittel des Weltbestands zerstört. Auch die Malediven verloren mehr als 60 Prozent ihrer Korallen.

„Bedingt durch die globale Erwärmung, können die Steinkorallen ihren Stoffwechsel nicht aufrechterhalten. Zunächst verlieren sie ihre prächtigen Farben, dann sterben sie“, erläutert Dr. Ameer Awad Abdulla. Der australische Meeresbiologe, der sich weltweit für die Rettung der Ozeane engagiert, ist zu Gast in Reethi Beach im Baa-Atoll, etwa 120 Kilometer von Malé.

Wie Gili Lankanfushi gehört das auf einer märchenhaft schönen Insel gelegene Hotel zu Green Pearls, einem internationalen Netzwerk für nachhaltigen Tourismus. Das ökologische Konzept von Reethi Beach beinhaltet beispielsweise die eigene Abwasserentsorgung und Trinkwasserherstellung – wozu auch die Abfüllung in lange verwendbare Glasflaschen gehört.

Schuhe aus Meeresmüll

Eine Besonderheit dieses Resorts unter Leitung von Direktor Peter Gremes ist das Wertstoff-Recycling. Dazu wird nicht nur der eigene, auf ein Minimum beschränkte Plastikmüll, sondern auch der der ganzen Umgebung gesammelt und aufbereitet. Aus dem daraus gewonnenen Granulat werden in Taiwan Schuhe hergestellt.

Auch das erst kürzlich eröffnete Schwesterhotel Reethi Faru wenige Kilometer weiter profitiert von dem umweltfreundlichen, nachhaltigen Konzept. Dazu gehört unter anderem, dass jeder Gast eine lebendige Erinnerung auf der Insel hinterlassen kann, indem er einen Baum pflanzt.

Um die Betreuung von Forschungs- und Rettungsprojekten zum Schutz marinen Lebens kümmern sich Ameer und sein Kollege, Dr. Paul Marshall. Bei ihren regelmäßigen Besuchen der Green-Pearls-Hotels bringen sie Personal und Gäste auf den neuesten Stand.

Jede Hilfe zählt

„Eine super Sache“, meint Jan-Hendrik Träger, der den Vortrag der beiden Wissenschaftler gehört hat. Der junge Heidelberger Krankenpfleger ist wie sein Vater begeisterter Sporttaucher. Beide nutzen ihren Urlaub auf den Malediven für ihr Hobby und entschieden sich dazu bewusst für eine „grüne“ Variante. „Wir wollen der Natur nicht schaden“, erklärt der 24-Jährige. Besonders spannend findet er das Korallenaufzuchtprogramm, an dem sich jeder aktiv beteiligen kann.

Malediven nachhaltig. Luxusreisen
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Dank Partnerschaft mit der UmweItschutzorganisation EarthCheck hat man mit den „Korallenkindergärten“ auch in Gili Lankanfushi positive Erfahrungen gesammelt. Wer will, kann eine Patenschaft übernehmen und bei der künstlichen Fortpflanzung der stummen Riffbewohner selber Hand anlegen. Emma Bell lädt interessierte Hotelgäste ein, ihr beim Knüpfen einer „Korallen-Kette“ zu helfen.

Vor der Hütte der Meeresbiologin liegt ein etwa fußballgroßer lebender Geweihkorallenstock. Mit Hammer und Meißel schlagen die Urlauber die Lebensgemeinschaft tausender Einzelpolypen in kleine Stücke und knüpfen sie im Abstand von etwa zehn Zentimetern in lange, dicke, feste Seile. Als alle fertig sind, fahren sie per Boot in Richtung Riff. Während die Schnorchler von oben assistieren, taucht Emma Bell hinab zur Zuchtstation, die einem großen Wäscheständer ähnelt.

Wie Büschel kleiner Zweige hängen dort schon ästelnde Korallen an Leinen zwischen Stangen. Behutsam und geschickt vertäut die junge Frau die frischen Setzlinge. „Wenn ihr euch gut entwickelt, dürft ihr in zwei, drei Jahren raus ins Riff“, verspricht sie ihnen. Sicher haben das die Korallenbabys gut verstanden haben und werden fleißig wachsen. Emmas Helfer freuen sich auf ein Wiedersehen im nächsten Urlaub.

(Die Recherche wurde unterstützt durch Green Pearls.)

Infos & Tipps:

Unterkunft: Ökologisch vorbildliche Urlaubsresorts auf traumhaft schönen Inseln sind das luxuriöse Gili Lankanfushi (5 Sterne, Nordmalé-Atoll), sowie die familienfreundlichen Reethi Beach (4 Sterne, Baa-Atoll) und Reethi Faru (4 Sterne, Raa-Atoll)

Auskunft: Reiseinformationen in deutscher Sprache hat das Fremdenverkehrsamt der Republik Malediven.

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